Was gehört zum Haushalt oder sind die Kosten für einen „Hunde-Gassi-Service“ steuerbegünstigt?

 

In den letzten Jahren gab es im Bereich „haushaltsnahe Dienstleistungen/Handwerkerleistungen“ verschiedene Urteile und da der Bereich „Haushalt“ im Prinzip in irgendeiner Form (Wartungsarbeiten, Schornsteinfeger, Putzhilfe) im Leben von beinahe jedem Steuerpflichtigen relevant ist, haben auch wir als Steuerberater immer wieder Anfragen zu diesem Thema.

Nach einem Urteil des Finanzgerichts Hessen ist nun wieder einmal ein Einzelsachverhalt in diesem Themengebiet entschieden worden und danach sind Aufwendungen für einen „Hunde-Gassi-Service“ als haushaltsnahe Dienstleistungen begünstigt. Auf Antrag (im Rahmen der Einkommensteuererklärung) wird die Einkommensteuer in diesen Fällen um 20 % der Aufwendungen des Steuerpflichtigen (höchstens 4.000 EUR) ermäßigt. Da in vielen Haushalten in Deutschland auch Haustiere vorhanden sind, hat das Urteil sicherlich Auswirkungen in so manch einer Einkommensteuererklärung.

Nach der bisherigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs ist die Versorgung und Betreuung eines in den Haushalt des Steuerpflichtigen aufgenommenen Haustieres eine haushaltsnahe Dienstleistung. „Dogsitter-Kosten“ sollen nach einer Entscheidung des Finanzgerichts Münster jedoch nicht begünstigt sein, wenn die Hunde außerhalb der Wohnung und des Gartens des Steuerpflichtigen betreut werden.

Räumlicher Bezug zu Haushalt

Die raumbezogene Betrachtungsweise des Finanzgerichts Münster überzeugte die Finanzrichter aus Hessen nun jedoch nicht. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs ist der Begriff „im Haushalt” räumlich-funktional auszulegen, sodass die Grenzen des Haushalts nicht ausnahmslos durch die Grundstücksgrenzen abgesteckt werden. Somit (so die Schlussfolgerung) handelt es sich beim „Gassi gehen” um eine Leistung mit einem unmittelbar räumlichen Bezug zum Haushalt, die dem Haushalt (dem haushaltszugehörigen Tier) dient.

Wichtig allerdings: Die Finanzverwaltung hat gegen diese Entscheidung Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt. Somit ist nun der Bundesfinanzhof gefragt und man wird abwarten müssen, wie die Sache ausgeht.

 

TIPP aus der Praxis

Wir als Steuerberater werden bei den von uns zu erstellenden Einkommensteuererklärungen für unsere Mandanten solche Kosten ansetzen und im Rahmen der anschließenden  Prüfung des Steuerbescheides die Nichtanerkennung mit einem Einspruch anfechten.

 

Quelle: FG Hessen, Urteil vom 1.2.2017, Az. 12 K 902/16, NZB BFH Az. VI B 25/17; FG Münster, Urteil vom 25.5.2012, Az. 14 K 2289/11 E; BFH-Urteil vom 3.9.2015, Az. VI R 13/15