ACHTUNG! Wer freiwillig in der GKV versichert ist, sollte diesen Beitrag einmal gelesen haben

Wenn du z.B. als Selbständiger freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert bist, musst du dort einkommensabhängige Beiträge zahlen. Da am Beginn eines Jahres niemand vorhersagen kann, wie hoch der Gewinn für das Jahr ausfallen wird, wird zur Beitragsbemessung bei Existenzgründern eine vorläufige Mindesteinnahme angesetzt (in 2017: 2.231,25 EUR monatlich, für 2018: 2.283,75 EUR monatlich). Bei Versicherten die in der Vergangenheit bereits selbständig tätig waren, wird für die zukünftige Beitragsfestsetzung der letzte Einkommensteuerbescheid herangezogen.

Wichtig: für die finale Beitragsbemessung ist grundsätzlich der Einkommensteuerbescheid relevant

Ab dem 1.1.2018 ändert sich für freiwillig versicherte Selbstständige auf den ersten Blick nur eine Kleinigkeit bei diesem Beitragsbemessungsverfahren, allerdings mit weitreichenden praktischen Folgen. Bisher hat man aufgrund eigener Angaben einen vorläufigen Beitrag in die GKV eingezahlt. Wurde durch den späteren Einkommensteuerbescheid bekannt, dass der unternehmerische Gewinn für das betreffende Beitragsjahr höher ausgefallen ist, kam es nicht zu Nachzahlungen für dieses Jahr sondern nur für die Folgejahre. Als Fazit konnte man sich merken: Änderungen wurden immer nur für die Zukunft wirksam.

GKV Änderung ab 2018

GKV Änderung ab 2018

ACHTUNG: ab 2018 erfolgt die Beitragsbemessung bei freiwillig Versicherten nur noch vorläufig, mit Nachzahlungsgefahr!

Als Basis für die ab 2018 nur noch vorläufige Beitragsbemessung wird der zuletzt vorliegende Einkommensteuerbescheid (z.B. für 2016) herangezogen. Sobald der endgültige  Einkommensteuerbescheid für das jeweilige Kalenderjahr (2018) der Krankenkasse vorliegt wird die Beitragshöhe entsprechend aufgrund der tatsächlichen Zahlen festgesetzt. Dadurch kann es zu Erstattungen aber auch zu Nachzahlungen kommen.

Diese Neuregelung wird aber nicht nur beim Arbeitseinkommen von Selbständigen angewendet, sondern auch bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung.

Was kann man tun?

Den Einkommensteuerbescheid in wirtschaftlich guten Jahren nicht vorzulegen ist schon mal keine Vermeidungsstrategie, denn die GKV fordert die Steuerbescheide an. Bei Nichtvorlage wird für das entsprechende Jahr rückwirkend einfach der Höchstbeitrag von der GKV eingefordert. Der Höchstbeitrag liegt in 2018 übrigens bei 659,33 EUR (GKV) zzgl 123,90 EUR (Pflegeversicherung, für Kinderlose ab 23 Jahren) und somit insgesamt bei 783,23 EUR monatlich.

Wichtig wäre das Thema regelmäßig auf dem Schirm zu haben und insbesondere als Selbständiger die monatlichen betriebswirtschaftlichen Auswertungen (als Ergebnis der Finanzbuchhaltung) zu sichten und zu verstehen. Im Regelfall entsteht ein gutes und hohes betriebliches Ergebnis nicht in ein paar Wochen, sondern baut sich über das Jahr verteilt auf. Durch das regelmäßige Auswerten der eigenen Zahlen kann man Änderungen des Gewinnes erheblich früher erkennen und hat noch Möglichkeiten rechtzeitig gegenzusteuern.

Außerdem kannst du

  • dich mit deinem Steuerberater austauschen um steuerliche Möglichkeiten der Gewinnsenkung zu besprechen,
  • bei definitiv unvermeidbarem höheren Gewinn (ist per se ja nicht schlecht) die Beiträge bei der Krankenkasse heraufsetzen lassen (lieber monatlich etwas mehr zahlen, als große Einmalbeträge im Nachgang!),
  • prüfen (lassen) ob eine private Krankenversicherung Vorteile bietet,
  • prüfen (lassen) ob eine andere gesetzliche Krankenversicherung etwas günstiger im Beitrag ist,
  • dafür sorgen, dass der Jahresabschluss zeitnah aufgestellt ist/wird und sich so bei schlechten Jahren eine Beitragserstattung früher ergibt und
  • prüfen (lassen) ob ein Rechtsformwechsel für dein Unternehmen eine verbesserte Situation ergibt.